Diskutieren Print-Journalisten über ihre Zunft, fehlen selten Lamenti wie "das müsste es doch mal geben", "die Großverlage trauen sich einfach nicht", "im Ausland gibt es doch ...".
Neue Zeitschriften braucht das Land - so der Tenor dieses Wehklagens. In der Realität sieht es allerdings so aus, dass Deutschland den vielfältigsten Zeitschriftenmarkt der Welt zu bieten hat. Offensichtliche Lücken existieren schon lange nicht mehr. Die Umsätze an den Kiosken sinken und nicht einmal in konjunkturell guten Zeiten steigen die Anzeigenumsätze signifikant.
Trotzdem glauben 90 Prozent der Journalisten, es müsste endlich ein gutes Medienmagazin, ein "völlig neues" Lifestyle-Blatt oder eine "ganz andere" Frauenzeitschrift geben. Gemeinhin entsprechen diese Zeitschriftenideen den persönlichen Bedürfnissen der Journalisten. Kein Ansatz, der meiner Meinung nach Erfolg verspricht.
Auch ich habe die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen, mithin noch keinen Titel dauerhaft am Markt platziert. Doch ich bin überzeugt: Das Gros meiner Zeitschriftenideen würde Leser und Anzeigenkunden überzeugen. Bei Großverlagen ist es verständlicherweise so, dass ihnen in den meisten Fällen die Traute für außergewöhnliche Zeitschriftenobjekte fehlt.
Wer will es ihnen verübeln, sie benötigen große Umsatzbringer und gehen deshalb vermeintlich lieber auf Nummer sicher. Deshalb fällt Jungverlegern die Aufgabe zu, sich an innovative Konzepte zu wagen. Gabriele Fischer (Brand Eins) und Nikolaus Gelpke (Mare) sind die Ikonen, denen es nachzueifern gilt. Ich nehme für mich nicht nur in Anspruch, gute Zeitschriftenideen zu haben. Daneben weiß ich aus eigener, harter Erfahrung, wie ein solider Businessplan auszusehen hat.
Außerdem, wie man eine Zeitschrift konzipiert - eine Aufgabe, der längst nicht jeder Journalist gewachsen ist. Ein guter Schreiber zu sein ist das eine, die Fähigkeit wirtschaftlich tragfähige Zeitschriftenkonzepte zu entwickeln etwas ganz anderes. Schon zu einer nüchternen Marktbeurteilung und einer realistischen Kalkulation sind die meisten Journalisten nicht in der Lage, weil sie sich für die wirtschaftlichen Aspekte zumeist nur marginal interessieren.
Auch ein wohldurchdachtes Zeitschriftenkonzept, schlüssig und aus einem Guss, bringen längst nicht alle hervor: Sich der Grundidee treu bleiben, einen journalistischen Bogen spannen, den einen grafischen Weg finden, die richtige Bildsprache für sein Thema entdecken - das sind die Eckpfeiler. Aus zwei meiner Ideen habe ich in den vergangenen Jahren Businessplänen inklusive ausführlicher Konzeptionen entwickelt. Eine dieser beiden Ideen, 220° - Das Magazin für Esskultur, liegt als Nullnummer vor. Und auf Eis.
Neben diesen beiden großen Heftkonzepten existiert in meinem Kopf eine ganze Reihe weiterer Zeitschriftenideen. Von meiner allerersten Idee, Wortreich - Das Hamburger Reportagemagazin, sind Mitte der 90er-Jahre zwei Ausgaben erschienen. Abseits des Realisierens auf eigene Rechnung widme ich mich auch Auftragsarbeiten oder schlage Verlagen Zeitschriften- bzw. crossmediale Konzepte vor.